Camping in Corona-Zeiten: der Verlegenheitscamper – eine Glosse

Camping – das mussten wir feststellen – in Corona-Zeiten ist irgendwie anders. Das liegt jedoch nicht nur am Mundschutz, weggefallen Angeboten und an den Kontaktvermeidungsregeln. Auf den Campingplätzen macht sich ein neuer Typus von Camper gerade breit: der Verlegenheitscamper.

Verlegenheitscamper sind die, die Camping bisher nur aus romantischen Büchern oder Filmen Kannen. Die, die eigentlich nie in einen Caravan oder ein Wohnmobil gestiegen wären. Nicht einmal zu Besuch bei einem Camper. Ja das sind die, die eigentlich über uns Camper die Nase (wenn auch im Geheimen) rümpften, weil wir solche „Proleten“ und „Assoziale“ seien.

Diese Neu-Camper fallen auch überhaupt nicht auf. Schon wenn sie anreisen, sind sie von einer Aura umgeben, die sich nicht beschreiben lässt. Sie erscheinen mit einem teuren, großen Wohnmobil, selten mit Caravan. Schließlich muss der Standard eines Luxushotels, den sie aus dem Urlaub in Normalzeiten gewohnt sind, wenigstens etwas gehalten werden. Wenn es ginge, würde man seinen Butler noch mitnehmen. Aber wer hat den schon? Du vor allem wo soll der schlafen?

Das große Ding kann kaum gehändelt werden und wird immer von „Papa“ gefahren. Die bessere Hälfte – die Frau — fährt nicht das Wohnmobil, sondern das Cabrio, den Porsche Cayenne oder den Mercedes / BMW hinterher.

Verlegenheitscamper fallen auch so auf den Plätzen auf. Sie sind anders. Wenig kommunikativ und noch weniger hilfsbereit. Auch in Coronazeiten hilft man sich auf dem Platz. Und wenn es nur darum geht, die Caravans an die richtige Stelle zu schieben.

Camper reden miteinander. Auch jetzt. O. K., das eventuelle Zusammensetzen bei einem Glas Wein oder Bier fällt weg. Wenn man dabei Abstandhalten muss, dann macht man es halt. Aber das Kommunizieren und Reden über die Erlebnisse, der Austausch über andere Reisezeile, der findet trotzdem statt.
Verlegenheitscamper tun das nicht. Sie bleiben vor ihrem Mobil sitzen, umhüllen sich mit einer Aura des Unnahbaren. Bloß nicht ansprechen. Abends verkriechen sie sich möglichst schnell in ihr rollendes Hotelzimmer.

Brötchen aus der Platzversorgung? Bloß nicht! Verlegenheitscamper steigen lieber in ihren Luxuswagen, ja den, den „Mutti“ zum Platz chauffieren musste, und fahren zum nächsten Bäcker. Mit dem „gemeinen Camping-Volk“ am Kiosk anstehen, ist nämlich eine Zumutung.

Auch in den Waschräumen oder Toiletten trifft man die nicht an. Sie nutzen lieber die Sanitär Möglichkeiten ihres Mietmobils . Regen sich dann innerlich auf, dass sie jeden 2. Tag den Tank leeren müssen, und defilieren mit dem Abwassercontainer zu den Entsorgungsstationen. Warum sie das machen – ein Rätsel!?

Und ganz unter uns. Verlegenheitscamper erkennt man auf den ersten Blick. Der allgemeine Freizeitlook ist bei denen nicht. Sie sehen fast wie aus dem Ei gepellt aus.

Rätselhaft ist eigentlich, was sie auf „normalen“ Campingplätzen verloren haben. Das sind keine Camper, eher Glamper – wahrscheinlich nicht mal so etwas. Auf den Glampingplätzen in Italien oder Frankreich wären sie vielleicht unter ihresgleichen. Aber die können / konnten sie ja nicht anfahren Jedenfalls nicht bis Mitte Juni 2020.

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